
Warum ChatGPT immer das gleiche Arbeitsblatt macht
3. Februar 2026
Wie ich meinen Fachberater fragte – und am Ende ein Tool hatte
9. Februar 2026Lieber nur zuhören? Hier gibt es den Beitrag als mp3 Datei.
Lesezeit: ca. 9 Minuten
Gruppenarbeit hat ein bekanntes Problem.
Einer macht. Der Rest wartet ab. Am Ende steht ein Ergebnis das eigentlich keins ist – weil niemand sagen kann wer was beigetragen hat. Ich kenne das, ich habe es oft beobachtet, und trotzdem hatte ich gehofft dass es diesmal anders läuft.
Lief es nicht.
Die Aufgabe war klar: Schüler erarbeiten Inhalte für die Schulhomepage. Einzelne Fachbereiche, Seiten die noch fehlten, Texte die niemand geschrieben hatte. Sinnvoll, praxisnah, echtes Publikum. Und trotzdem: wer von außen reingeschaut hätte, hätte schnell gezählt. Einer tippt, drei schauen zu.
Also habe ich neu angesetzt. Mit einem anderen Setup – und einem ungewöhnlichen Sparringspartner.
KI als Fachberater, nicht als Textgenerator
Ich habe meine alten Stundenentwürfe genommen und sie durch KI analysieren lassen. Nicht: „Schreib mir einen besseren Plan.“ Sondern: Prüfe diese Einheit gegen die Kriterien guten Unterrichts. Was fehlt? Wo ist die Methode schwach? Wo liegt das Risiko dass einzelne abtauchen?
Das Ergebnis war eine ehrliche Diagnose – und ein Ausgangspunkt.
Dann habe ich erzählt. Was im Vorjahr schiefgelaufen ist. Welche Dynamiken entstanden sind. Was die Schüler eigentlich können und was nicht. KI als Gesprächspartner, der keine eigene Agenda hat und nicht höflich schweigt wenn etwas nicht funktioniert.
Entstanden ist eine vollständig überarbeitete Projektstruktur. Kleine Teams mit klaren Rollen. Stellenbeschreibungen für jedes Mitglied. Hausaufgaben die aufeinander aufbauen. Kanban-Boards mit konkreten To-dos. Keine offene „Macht mal“ – sondern ein Gerüst das Verbindlichkeit erzwingt ohne Kreativität zu ersticken.
Wer was macht – und warum das Verantwortung schafft
Jedes Team hatte einen Grafiker. Und der Grafiker hatte eine klare Aufgabe: Alle Bilder prüfen. Urheberrecht. Erkennbare Personen? Zustimmung vorhanden? Wikipedia-Bilder ohne Quellenangabe? Geht nicht.
Das ist kein pädagogisches Konstrukt – das ist die echte Welt. In meinen eigenen Projekten außerhalb der Schule, Webentwicklung, Datenbankanbindung, Kundensites, ist Urheberrecht kein Thema das man vergessen kann. Abmahnungen sind real. Ich erzähle das im Unterricht. Live, konkret, mit Beispielen. Nicht als Warnung von oben – als Erfahrung von jemandem der es selbst navigiert.
Hat der Grafiker die Bilder nicht geprüft? Nachsitzen. Alle Bilder tauschen. Das Team haftet gemeinsam. Verantwortung im Team bedeutet, dass einer der schläft alle zurückwirft. Das lernt man nicht aus einem Lehrbuch.
Das Kundengespräch als Prüfungsformat
Die Präsentation am Ende war kein klassischer Schülervortrag. Ich war der Kunde.
„Verkauft mir euer Produkt. Erzählt mir jeder einzelne, was er gemacht hat. Überzeugt mich, dass ich für mein Geld als Auftraggeber viel bekomme – und euch wieder buchen will.“
Das klingt hart. War es auch. Aber es hat etwas ausgelöst was ich vorher selten erlebt hatte: echte Vorbereitung. Weil die Schüler wussten, dass sie nicht gemeinsam im Chor antworten können. Jeder musste seinen Teil kennen. Seinen Beitrag verteidigen. Den eigenen Prozess erklären.
Canva hat dabei geholfen. Mit der Education-Version für die Schule kostenlos, und die Ergebnisse waren entsprechend – professionell aussehende Präsentationen die tatsächlich etwas zeigten. Nicht Folienwüsten, sondern durchdachte Layouts. Manche Teams hatten sogar Zeitungsartikel-Layouts gebaut. War nicht geplant. Kam trotzdem. Der Weg ist das Ziel.
Warum ich endlich sitzen konnte
Der entscheidende Moment des ganzen Projekts war nicht die Präsentation.
Er war vorher. In der Arbeitsphase.
Weil das Setup funktionierte – klare Rollen, konkrete Aufgaben, Kanban als sichtbares Steuerungswerkzeug – konnte ich aufhören vorne zu stehen. Ich saß. Ich beobachtete. Ich machte Notizen.
Wer arbeitet wie. Mit wem. In welcher Intensität. Wer übernimmt Verantwortung wenn es hakt. Wer wartet ab. Wer löst Konflikte. Wer verliert den Überblick und holt ihn wieder zurück.
Das ist prozessorientierte Bewertung in der Praxis. Nicht als Konzept auf Papier – als tatsächlich erlebter Unterricht in dem der Lehrende endlich sieht, was vorher hinter dem Endprodukt versteckt war.
Reflexion gehört dazu – auch die unbequeme
In der Präsentation war eine feste Phase für Reflexion vorgesehen. Was lief nicht gut?
Hier wurde es interessant. Denn ich hatte meine Beobachtungen. Die Teams hatten ihre eigene Wahrnehmung. Wo sie übereinstimmten, war das eine Bestätigung. Wo sie auseinandergingen, entstand ein Gespräch.
Und dann war da noch etwas: Nicht jedes Problem führte zu einem Punktabzug. Ein Team das merkt dass etwas schiefgelaufen ist, das das benennt und erklärt was es beim nächsten Mal anders machen würde – das zeigt genau den Skill der im Berufsleben zählt. Aus Fehlern lernen. Das ist keine Schwäche, das ist Reife.
Darum führe ich das Projekt in Klasse 9 durch – und ein Jahr später wieder in Klasse 10. Dieselben Schüler, eine neue Aufgabe, ein höheres Niveau. Die Entwicklung ist dann nicht nur sichtbar, sie ist messbar.
Was am Ende dabei herausgekommen ist
Ergebnisse die tatsächlich online gehen konnten. Historische Inhalte über fünfzig Jahre Schule. Gamemaps und Zeitstrahlen in H5P. Zeitungsartikel in Canva-Layout. Präsentationen die sich nicht verstecken müssen.
Die Teams hatten sich durch Personas und User Stories gefragt: Wer schaut sich das an? Was erwartet diese Person? Daraus entstanden Formate, die ich so nicht geplant hatte. Besser als geplant.
Das Bewertungstool das ich dafür entwickelt habe – für die Beobachtungsphase, für die Präsentation, für die Reflexion – ist als fertiges Material auf eduki verfügbar. Praxiserprobt, Klasse 9 und 10, direkt einsetzbar.
Im nächsten Beitrag schauen wir genauer auf die Methode dahinter. Kanban im Klassenzimmer – was funktioniert, was nicht, und wie man den Einstieg so gestaltet dass er nicht in Chaos endet.
Das Unterrichtsmaterial zum Projekt – inklusive interaktivem Bewertungstool, Stellenbeschreibungen und Kanban-Vorlage – gibt es auf eduki: Schulgeschichte digital erzählen – Agiles Projekt mit Kanban, H5P & Bewertungstool





