Warum ChatGPT immer das gleiche Arbeitsblatt macht
In meinem KI-Kurs für Lehrer stellte eine Teilnehmerin eine Frage, mit der ich so nicht gerechnet hatte. Sie hatte mit ChatGPT ein paar Arbeitsblätter erstellt und war enttäuscht. Alles sah ähnlich aus: Lückentext, Multiple Choice, Fragen zum Text, immer wieder.
„Warum macht die KI immer dasselbe?“
Mein erster Gedanke war: Weil du immer dieselbe Unterrichtsmethode verwendest. So konnte ich das natürlich nicht sagen. Also haben wir etwas anderes gemacht.
Die KI sagt es selbst
Ich schlug vor, die Frage direkt an eine KI zu stellen, und zwar gründlich. Gemeinsam formulierten wir einen Auftrag für eine DeepResearch-Suche: Warum erzeugt ChatGPT bei Anfragen nach Unterrichtsmaterial so oft dieselben Formate, und was steckt dahinter?
Nach ein paar Minuten kam die Antwort, ausführlich, gut belegt und übersichtlich. Und sie sagte sinngemäß genau das, was ich nicht sagen konnte.
ChatGPT liefert, was es aus Millionen von Unterrichtsmaterialien gelernt hat. Lückentext, Multiple Choice und Fragen zum Text sind die häufigsten Formate in diesen Trainingsdaten. Wer also „Erstelle ein Arbeitsblatt zur Photosynthese“ eintippt, bekommt den statistischen Durchschnitt des bisherigen Unterrichts: methodisch unauffällig, pädagogisch mittelmäßig.
Die KI spiegelt nicht unsere Kreativität, sie spiegelt unsere Gewohnheiten.
Das Werkzeug ist so gut wie die Methode dahinter
Das klingt nach Kritik an ChatGPT, ist aber keine. Mit einem Hammer baut man kein Haus, wenn man nicht weiß, wie man ihn hält. Und eine KI erzeugt keine vielfältigen Materialien, wenn der Auftrag keinen methodischen Spielraum lässt. Das liegt in der Natur der Technik.
Der Prompt spiegelt die Methode. Wer „Arbeitsblatt“ eintippt, bekommt ein Arbeitsblatt. Wer „Stationenlernen mit Reflexionsaufgabe und kooperativen Elementen“ eingibt, bekommt etwas anderes, vielleicht nicht perfekt, aber deutlich interessanter. Am Werkzeug liegt es selten.
Methodenpool.de hat das vor zwanzig Jahren verstanden
Eine Seite empfehle ich seit Jahren: methodenpool.de. Schlicht, damals nicht besonders hübsch, ohne Newsletter und ohne Social Media. Dort sind Hunderte von Methoden beschrieben, erprobt und sortiert. Wer sie kennt, hat einen anderen Ausgangspunkt, für den Unterricht und für den Prompt.
KI kann nicht ausgleichen, was methodisch fehlt. Wer fünf Unterrichtsmethoden kennt, bekommt fünf Arten von Arbeitsblättern. Wer fünfzig kennt, hat ganz andere Möglichkeiten. Ein Vorwurf ist das nicht, im Schulalltag bleibt wenig Zeit für methodische Fortbildung. Als Befund stimmt es trotzdem.
Was ein guter Prompt leistet
Nach der DeepResearch-Antwort haben wir weitergemacht. Ich habe mein Prompt-Plakat gezeigt, eine Übersicht, die ich für genau solche Situationen entwickelt habe. Es sind keine zehn Regeln zum Auswendiglernen, sondern eine Struktur, die beim Formulieren hilft. Zusammengefasst in einem Satz: Kontext schlägt Befehl.
Wer der KI erklärt, für wen das Material ist, in welcher Phase des Lernens es eingesetzt wird, welches Ziel es hat und welche Methode dahintersteht, bekommt etwas anderes als bei „Erstelle ein Arbeitsblatt“. Geheimwissen ist das nicht, selbstverständlich aber auch nicht.
Die Teilnehmerin hat ihren Prompt noch im Kurs umgeschrieben. Das Ergebnis war, wie sie sagte, „deutlich besser“.
Was das mit Bewertung zu tun hat
Schöner Tipp fürs Prompten, mag jetzt jemand denken, aber was hat das mit Notengebung zu tun? Mehr, als man auf den ersten Blick meint. Methode und Bewertung hängen eng zusammen:
- Wer einen Lückentext ausfüllen lässt, bewertet Faktenwissen.
- Wer eine Reflexionsaufgabe stellt, bewertet das Nachdenken.
- Wer Zusammenarbeit anlegt, bewertet Kommunikation und Kooperation.
Die Methode entscheidet, was sichtbar wird, und bewerten kann man nur, was sichtbar ist. Arbeitsblätter von der Stange, die KI erzeugt hat, führen zu Aufgaben, die KI auch lösen kann. Wer diesen Kreislauf durchbrechen will, muss eine Ebene früher ansetzen: bei der Methode statt beim KI-Detektor.
Der nächste Schritt
Er muss nicht groß sein. Öffne methodenpool.de, klick eine Methode an, die du noch nicht kennst, und lies sie. Dann formulierst du denselben Prompt wie immer, diesmal aber mit dem methodischen Rahmen als Zusatz. Perfekt wird das Ergebnis nicht sein, aber anders.
Wer dazu passende, faire Bewertungsformen sucht, findet im Artikel Endlich Zeit zum Beobachten ein Beispiel aus meinem Unterricht, samt Werkzeug.