Förderplan mit KI erstellen: Ein Assistent, der Frage für Frage interviewt, mit System-Prompt
Förderpläne zu schreiben kostet Zeit, und zwar die Zeit, die man eigentlich für den Unterricht braucht.
An fehlendem Fachwissen liegt es selten. Schwierig ist der Anfang: das leere Dokument und die Frage, womit man beginnt, wenn man gerade zwanzig andere Dinge im Kopf hat. Danach kommt der Versuch, vage Eindrücke aus dem Unterricht in SMART-Ziele zu übersetzen, am besten ressourcenorientiert formuliert und mit Maßnahmentabelle. Dieser Teil lässt sich gut strukturieren, und dabei hilft der Förderplan-Assistent.
Wie der Förderplan-Assistent das Interview führt
Der Assistent ist kein Textgenerator, dem man einen fertigen Datensatz übergibt. Er führt ein Interview, eine Frage nach der anderen, in einer festen Reihenfolge:
- Basisdaten: anonymisiertes Kürzel, Klassenstufe, Förderschwerpunkt
- Entwicklungsstand: Lernen, Sprache, Motorik, Sozialverhalten, konkret und auf Situationen bezogen
- Ressourcen und Interessen: Was motiviert den Schüler? Was sind seine Stärken?
- Bisherige Hilfen: Was wurde schon versucht, und mit welchem Erfolg?
- Zeitrahmen: Halbjahr oder Schuljahr
Wer antwortet, muss sich um die Struktur nicht kümmern. Ist eine Antwort zu vage, fragt der Assistent höflich und konkret nach. Erst nach Phase 5 schreibt er den vollständigen Entwurf mit Förderzielen, Maßnahmentabelle und Evaluationstermin.
Das Prinzip ist dasselbe wie beim Rückmeldungs-Generator: erst die Beobachtungen ordnen, dann formulieren. Wer sich mit prozessorientierter Beobachtung beschäftigen will, findet einen Einstieg im Artikel Endlich Zeit zum Beobachten.
Datenschutz und Verantwortung
Datenschutz: Keine echten Namen eingeben, darauf weist der Assistent beim Start selbst hin. Ein Kürzel allein macht die Angaben aber nicht anonym: Klasse, Förderschwerpunkt und eine Beschreibung des Verhaltens zusammen können gerade an einer kleinen Schule auf ein bestimmtes Kind schließen lassen. Perplexity ist ein Dienst aus den USA. Nach eigenen Angaben nutzt Perplexity Gespräche ohne Account nicht zum Training, die Eingaben laufen aber trotzdem über seine Server. Am sichersten ist ein lokales Sprachmodell auf dem eigenen Rechner, zusammen mit dem System-Prompt weiter unten.
Der Entwurf ist ein Anfang. Die pädagogische Entscheidung, die fachliche Prüfung und die Abstimmung im Team bleiben beim Lehrer, und so soll es auch sein.
Den Assistenten lokal betreiben
Alle Tools auf dieser Seite laufen komplett im Browser, ohne Server, ohne Schnittstelle zu einem fremden Dienst und ohne dass Daten irgendwo landen. Beim Notenrechner, beim Notenschlüssel-Generator und beim Rückmeldungs-Generator geht das, weil dort feste Regeln ausreichen. Sie brauchen kein KI-Modell und keinen externen Dienst, deshalb gibt es auch kein Datenschutzproblem.
Ein Förderplan-Assistent braucht dagegen ein Sprachmodell. Direkt auf notengebung.de läuft er deshalb nicht, denn ein Modell auf dem Server würde bei jeder Anfrage Geld kosten, und die Eingaben müssten übertragen werden.
Inzwischen gibt es einen Weg, der ganz ohne fremden Server auskommt. Offene Sprachmodelle wie Qwen oder die offenen GPT-Modelle von OpenAI (gpt-oss) laufen auf einem aktuellen Rechner ohne Internetverbindung, zum Beispiel mit den kostenlosen Programmen LM Studio oder Ollama. Wer dort den System-Prompt von unten einfügt, hat den Assistenten komplett lokal, und keine Angaben über Schüler verlassen den Rechner.
Aus lückenhaften Antworten wird ein Förderplan
Irgendwo habe ich gelesen, dass KI ein guter sozialer Filter ist: Sie nimmt unstrukturierte, erschöpfte, lückenhafte Eingaben und gibt etwas Brauchbares zurück. Wer mit vagen Eindrücken antwortet, bekommt gezielte Nachfragen. Wer eine Stärke des Schülers erwähnt, ohne sie als solche zu erkennen, findet sie am Ende im Förderplan wieder. Der Assistent zwingt einen so zu einer pädagogischen Haltung, die bei den Stärken ansetzt.
Der System-Prompt zum Nachbauen
Wer den Assistenten auf einer anderen Plattform einrichten oder den Prompt anpassen will, kann ihn hier kopieren. Das ist der vollständige System-Prompt:
Rolle:
Du bist ein spezialisierter KI-Agent für Sonderpädagogik. Deine Aufgabe
ist es, mit mir (dem Lehrer) ein strukturiertes Interview zu führen, um
alle notwendigen Informationen für einen professionellen Förderplan zu
sammeln.
Arbeitsmodus:
- Schrittweise Abfrage: Stelle immer nur eine Frage zur Zeit.
- Struktur: Folge einer festen Logik
(Stammdaten → Ist-Stand → Ressourcen → Ziele → Maßnahmen).
- Präzisierung: Wenn eine Antwort zu vage ist, frage höflich nach
konkreten Beispielen oder der Häufigkeit.
- Sprache: Generisches Maskulinum, fachlich-wertschätzender Tonfall.
Keine Gendersprache.
Interview-Leitfaden (interne Checkliste):
Phase 1: Basisdaten
(Anonymisiertes Kürzel, Klassenstufe, Förderschwerpunkt)
Phase 2: Aktueller Entwicklungsstand
(Lernen, Sprache, Motorik, Sozialverhalten – bezogen auf
das konkrete Problem)
Phase 3: Ressourcen & Interessen
(Was motiviert den Schüler? Was sind seine Stärken?)
Phase 4: Bisherige Hilfen
(Was wurde bereits ohne Erfolg oder mit Teilserfolg versucht?)
Phase 5: Zeitrahmen
(Für welchen Zeitraum soll der Plan gelten?)
Start-Signal:
Beginne mit einer freundlichen Begrüßung und erkläre kurz, dass du
am Ende aus allen Antworten einen fertigen Entwurf generieren wirst.
Stelle dann die erste Frage aus Phase 1.
Generiere den Förderplan-Entwurf erst nach Abschluss von Phase 5.
Der Prompt funktioniert auf jeder KI-Plattform, die System-Prompts unterstützt, etwa ChatGPT, Claude, Perplexity Spaces oder fobizz-Assistenten. Anpassen kannst du ihn zum Beispiel, indem du in Phase 2 weitere Beobachtungsbereiche ergänzt oder in Phase 3 Stärkenfelder für deine Schulform festlegst.
Für das Zeugnis am Ende des Schuljahres gibt es einen zweiten Assistenten, der nach demselben Prinzip arbeitet: Berichtszeugnisse an der Förderschule mit KI schreiben.