
Endlich Zeit zum beobachten
5. Februar 2026
Ein Werkzeug, das rechnet. Und eine Frage, die es nicht beantwortet.
14. Februar 2026Lieber nur zuhören? Hier gibt es den Beitrag als mp3 Datei.
Lesezeit: ca. 7 Minuten
Die Frage war einfach. Die Antwort auch – nur nicht die, die ich erwartet hatte.
Ich hatte meinen Fachberater gefragt, wie man im KI-Zeitalter noch faire Noten geben kann. Was ist mit den 4K? Wie bewertet man Kompetenzen die eine KI nicht ersetzen kann – und nicht nur das Endprodukt das sie längst produzieren kann?
Er musste nicht lange überlegen. Er kramte in seinen Unterlagen und schickte mir ein paar Kopien. Papier. Kein Link, kein PDF, keine App. Einfach Texte die er irgendwann selbst erhalten hatte, zu kompetenzorientierter Bewertung, handschriftliche Notizen am Rand.
Ich habe sie gelesen. Und dann angefangen, etwas damit zu bauen.
Was auf dem Papier stand
Das Modell war nicht neu. Vier Kompetenzbereiche, die im Grunde jeder kennt der einmal eine Fortbildung zu gutem Unterricht mitgemacht hat:
Sachkompetenz – Wissen zeigen, Fachbegriffe verwenden, Zusammenhänge herstellen.
Methodenkompetenz – Planen, strukturieren, Ergebnisse präsentieren.
Selbstkompetenz – Ziele setzen, ausdauernd arbeiten, sich selbst kontrollieren.
Sozialkompetenz – Gemeinsam arbeiten, Verantwortung übernehmen, Rücksicht nehmen.
Bekannt? Ja. Konsequent umgesetzt in der täglichen Bewertung? Eher nicht.
Das Problem war nicht das Modell. Das Problem war die Handhabung. Wer vier Kompetenzbereiche mit je fünf Kriterien im Kopf behalten und dabei gleichzeitig unterrichten soll, gibt irgendwann auf. Oder bewertet doch wieder nur das Endprodukt.
Was ich brauchte, war kein neues Konzept. Ich brauchte ein Werkzeug das die Arbeit abnimmt.
Von Papier zu Excel
Der erste Schritt war eine Tabelle. Keine Magie, kein Code – einfach Excel.
Die vier Kompetenzbereiche als Zeilen, je fünf Kriterien als Spalten. Pro Kriterium ein Feld für mögliche Punkte – das ich selbst festlege, je nachdem was in diesem Projekt relevant ist. Ein Feld für erreichte Punkte. Und unten rechts: die fertige Note, berechnet anhand eines hinterlegten Zensurenschlüssels.
Kein Nachrechnen. Kein Nachschlagen. Punkte eintragen, Note erscheint.
Dazu ein zweites Tabellenblatt für Gruppenarbeiten: Eigen- und Fremdeinschätzung. Jedes Teammitglied trägt ein wie es die Mitarbeit der anderen einschätzt – und die eigene. Vier Kriterien, null bis fünf Punkte, wieder automatisch berechnet. Eine zweite Note die ergänzt, was ich von außen beobachtet habe.
Das Prinzip dahinter: Die Datei bleibt offen. Man speichert sie unter dem Gruppennamen ab, öffnet sie wieder wenn man etwas beobachtet hat, trägt Punkte nach, macht Notizen. Am Ende hat man eine vollständige Übersicht pro Gruppe – entstanden über den gesamten Projektverlauf, nicht in fünf Minuten vor der Noteneingabe.
Alles lokal. Kein Cloud-Dienst, kein Login, kein Datenschutzproblem.
Der nächste Schritt
Die Excel-Datei hat funktioniert. Aber sie hat auch Grenzen.
Wer am Tablet durch die Klasse läuft und schnell etwas eintragen will, öffnet keine Excel-Datei. Wer Schülern die Selbsteinschätzung zugänglich machen will, schickt keine Tabelle herum. Und wer das Ganze optisch vorzeigbar haben möchte – für sich selbst, für Kollegen, für Elterngespräche – der wünscht sich etwas anderes.
Also habe ich weitergebaut. Diesmal mit KI als Entwicklungspartner. Aus der Excel-Logik wurde ein interaktives Browser-Tool: dieselben Kompetenzbereiche, dieselbe Berechnung, aber mit einer Oberfläche die man wirklich anfassen will. Kein Server, keine Datenübertragung, alles läuft lokal im Browser.
Der erste Prototyp entstand in einer Arbeitssitzung. Die Vollversion – mit erweiterten Funktionen, anpassbaren Kriterien und einer aktualisierten interaktiven Bewertungsseite – ist Teil des Unterrichtspakets das auf eduki verfügbar ist.
Die kostenlose Online-Version des Bewertungstools gibt es direkt hier: tools.notengebung.de/teambewertung – kein Login, keine Installation, läuft im Browser.
Was das mit der Note zu tun hat
Zurück zur ursprünglichen Frage. Wie gibt man im KI-Zeitalter faire Noten?
Die ehrliche Antwort: indem man bewertet was eine KI nicht liefern kann. Nicht den Text, nicht das Plakat, nicht die fertige Präsentation. Sondern wie jemand plant, wie jemand mit anderen arbeitet, wie jemand auf Rückschläge reagiert, wie jemand Verantwortung übernimmt.
Das klingt aufwendig. Mit dem richtigen Werkzeug ist es das nicht. Man braucht keinen neuen Lehrplan, keine Schulreform und keine zusätzliche Fortbildungsstunde. Man braucht eine klare Struktur und ein Instrument das die Beobachtungen festhält.
Genau dafür ist dieses Tool entstanden. Und weil es hier auf notengebung.de kostenlos verfügbar sein soll – für alle die einfach anfangen wollen – findet ihr die Online-Version direkt auf der Werkzeugseite.
Die Excel-Vorlage zum Herunterladen gibt es ebenfalls – für alle die lieber lokal arbeiten und ihre eigene Datei pro Gruppe führen wollen.
Eine Randbemerkung zum Schluss
Manchmal kommen die besten Werkzeuge nicht aus Apps oder Plattformen. Manchmal kommen sie aus einem Gespräch mit jemandem der seit Jahren in Schulen arbeitet – und zufällig noch die richtigen Kopien auf dem Schreibtisch hat.
Danke, Fachberater.
Die Vollversion des Bewertungstools mit anpassbaren Kompetenzen und interaktiver Bewertungsseite ist im Paket Schulgeschichte digital erzählen – Agiles Projekt mit Kanban, H5P & Bewertungstool auf eduki enthalten. Die kostenlose Online-Version gibt es hier auf notengebung.de.





