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Notengebung & Bewertung · · 4 Min. Lesezeit

Feedforward: Rückmeldungen, mit denen Schüler weiterarbeiten können

Infografik „Feedback vs. Feedforward: Dein Weg zum Lernerfolg“: links Feedback als Blick in den Rückspiegel auf den bisherigen Lernweg, rechts Feedforward als Blick durch ein Fernrohr auf die nächsten Stufen, unten „Dialog statt bloßer Zensur“.

Die korrigierte Klassenarbeit liegt auf dem Tisch. Der Schüler schaut kurz drauf, sieht die Vier, faltet das Blatt zusammen und steckt es in die Tasche. Damit ist die Sache für ihn erledigt.

Das ist Feedback in seiner reinsten und nutzlosesten Form. Die Information ist angekommen, aber was damit passieren soll, weiß niemand so genau.

Feedback zeigt, wo du warst

Feedback ist wertvoll. Es sagt: Das hast du gut gemacht, hier war dein Denkfehler, so weit bist du mit deinen Kompetenzen. Das ist ehrlich und wichtig, und jeder Lernende braucht es.

Feedback schaut aber in den Rückspiegel. Es beschreibt die Strecke, die schon gefahren ist. Die Straße vor einem wird dadurch nicht klarer.

Hier setzt Feedforward an. Es verlängert das Feedback nach vorn. Feedback sagt „Das warst du“, Feedforward sagt „Das kannst du als Nächstes tun“. Das eine blickt zurück, das andere voraus: Wo stehst du, und wo geht es hin?

Ein alter Gedanke, der gerade Fahrt aufnimmt

Neu erfunden ist das Konzept nicht. In der Pädagogik wird seit Jahren über lernförderliche Rückmeldung diskutiert, und Feedforward gehört zu den Grundgedanken kompetenzorientierter Beurteilung. Was sich 2026 ändert, ist der Druck, es auch umzusetzen.

Baden-Württemberg führt seit dem Schuljahr 2022/23 einen Schulversuch durch, an dem inzwischen 43 Grundschulen teilnehmen. Er heißt „Lernförderliche Leistungsrückmeldung“, und Feedforward ist einer seiner Kerne. Die Kinder bekommen keine Ziffernnoten mehr. Stattdessen gibt es regelmäßige Lernstandsdiagnosen, eine sichtbare Darstellung des Lernfortschritts und mindestens einmal im Halbjahr ein Lernentwicklungsgespräch mit Kind und Eltern. Dabei geht es immer um beides: Wo stehst du, und was sind deine nächsten Schritte?

Der Versuch ist auf vier Jahre angelegt, die wissenschaftliche Auswertung läuft 2026. Die Ergebnisse werden zeigen, ob das Modell hält, was es verspricht: Lernmotivation stärken, Eigenverantwortung fördern und die Note als einzigen Maßstab ablösen.

Was das für den normalen Unterricht heißt

Für Feedforward braucht man keinen Modellversuch. Oft reicht ein einziger Satz nach der korrigierten Arbeit, nach der Note, nach dem Blick in den Rückspiegel, ein Satz, der nach vorn zeigt. Zwei Beispiele:

Feedback Feedforward
„Du hast die Hauptthese nicht klar genug herausgearbeitet.“ „Schreib beim nächsten Mal die Kernaussage deines Aufsatzes in einem Satz auf, bevor du anfängst.“
„Die Teamarbeit hat nicht gut funktioniert.“ „Wer übernimmt beim nächsten Mal bis Dienstag die Aufgabe, die Zwischenergebnisse zusammenzufassen?“

Der Unterschied wirkt klein, aber er verändert, was im Kopf des Schülers hängen bleibt: eine Möglichkeit zu handeln statt eines Urteils.

Feedforward geht auch mit Noten

Der häufigste Einwand lautet: Schön und gut, aber solange es Noten gibt, landet am Ende doch wieder eine Zahl im Zeugnis. Das stimmt. Noten verschwinden nicht. Die Abiturnote, der IHK-Abschluss und die Versetzung sind Vereinbarungen mit echten Folgen.

Feedforward will das Notensystem auch gar nicht ersetzen. Es ist eine Haltung innerhalb dieses Systems. Wer eine Note gibt und dazu erklärt, welche Kompetenz dahintersteckt und was der nächste Schritt wäre, bewertet fair, klar und lernförderlich. Dafür braucht es keine Strukturreform, nur Aufmerksamkeit und etwas Zeit. Deshalb funktioniert Feedforward unter realen Bedingungen, im Gymnasium, in der Berufsschule und in der Grundschule, mit Noten oder ohne.

Warum das mit KI wichtiger wird

2026 gibt es noch einen Grund: KI verändert, was sich überhaupt sinnvoll bewerten lässt. Wenn ein Sprachmodell in Sekunden einen gut gegliederten Text schreibt, sagt die Frage „Hat der Text die richtige Struktur?“ wenig aus. Wichtiger wird die Frage dahinter: Hat jemand verstanden, warum diese Struktur sinnvoll ist? Kann er den nächsten Schritt selbst benennen?

Wer in Feedforward denkt, fragt automatisch nach dem Lernweg und weniger nach dem Produkt. Und wer nach dem Lernweg fragt, bewertet etwas, das KI nicht einfach übernehmen kann.

Ein Satz nach der Note

Feedforward muss nicht aufwendig sein. Es braucht kein neues Beurteilungssystem, kein Portfolio und kein Lernentwicklungsgespräch, auch wenn all das sinnvoll ist. Es beginnt mit einem Satz nach der Note, der nach vorn schaut, Orientierung gibt und dem Schüler etwas an die Hand gibt, das er beim nächsten Mal tun kann.

Der Rückspiegel gehört ins Auto. Fahren tut man aber mit Blick durch die Windschutzscheibe.

Inzwischen gibt es dafür ein Werkzeug: Im Rückmeldungs-Generator ist der Feedforward-Teil Pflicht. Wie er entstanden ist und was die Forschung dazu sagt, steht im Hintergrundartikel zum Rückmeldungs-Generator.

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