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Notengebung & Bewertung · Materialien · · 6 Min. Lesezeit

Musik benoten: Warum die Note oft Talent oder Fleiß misst und wie du Klassenmusizieren fair bewertest

Gezeichneter Bewertungsbogen „Musik benoten“ auf linierter Heftseite mit rotem Rand: „Talent“ und „Fleiß zu Hause“ sind mit Rotstift durchgestrichen, „Üben im Unterricht“ ist abgehakt und eingekreist, darunter steht „gleiche Übungszeit für alle Kinder“. Rechts eine eingeklebte Karte mit acht farbigen Boomwhacker-Röhren von C bis C' und dem Schriftzug bimbadi.com.

Je mehr Aufgaben digitale Werkzeuge und KI übernehmen, desto öfter frage ich mich, was in der Schule übrig bleibt, das nur Menschen können. Mir fallen zuerst Dinge ein, die man nicht auf einem Bildschirm erledigt: einander zuhören, sich abstimmen, gemeinsam etwas schaffen und dranbleiben, wenn es nicht beim ersten Mal klappt.

Gemeinsames Musizieren übt vieles davon auf einmal. Wer in einer Gruppe spielt, muss auf seinen Einsatz warten, im Takt bleiben und hören, was die anderen machen. Ein Lied klingt erst, wenn alle zusammen spielen. Diesen Teil kann kein Gerät für die Kinder übernehmen.

Musik ist eine Fähigkeit, die man üben kann

Rhythmusgefühl, Hören und Notenlesen lassen sich trainieren wie Lesen und Rechnen. Manche Kinder bringen mehr mit als andere, aber jedes Kind kann besser werden, wenn es regelmäßig übt. Für die Note ist das schwierig, denn sie soll zeigen, was ein Kind im Unterricht gelernt hat.

Was eine Musiknote oft bewertet

Wenn ich am Ende einer Einheit ein Lied vorspielen lasse und benote, bewerte ich vor allem, was die Kinder mitbringen. Ein Kind, das seit drei Jahren in der Musikschule Klavier lernt, hält den Takt ohne Mühe. Ein anderes hört das Lied im Unterricht zum ersten Mal bewusst. Die Note misst dann eher Begabung und Vorerfahrung als das, was im Unterricht gelernt wurde.

Beim Klassenmusizieren kommt etwas dazu. Mit Boomwhackern hat jedes Kind seinen Ton, und fehlt einer, hört man das sofort. Wenn das Lied auseinanderfällt, lässt sich trotzdem schwer sagen, an wem es lag, und wer laut und sicher spielt, wirkt schnell besser, als er ist.

Bewerte ich stattdessen den Fleiß, wird es auch nicht gerechter. Wie viel ein Kind zu Hause übt, hängt davon ab, ob es dort Ruhe hat, ein Instrument und jemanden, der ans Üben erinnert. Im Unterricht sehe ich davon nur einen kleinen Teil.

Gleiche Übungszeit im Unterricht für alle Kinder

Als ich an der Grundschule Musik unterrichtet habe, habe ich von Fördermitteln als Erstes Boomwhacker und ein E-Piano gekauft. Bei den Boomwhackern war es gleich ein Komplettsatz, damit jedes Kind eine Röhre bekommt. Wir haben sie sehr oft benutzt, auch für die Lieder zur Abschlussfeier, und schon damals zu Playalongs gespielt. Das Lernen damit hat Freude bereitet, und weil alle gleichzeitig spielen konnten, hatte jedes Kind im Unterricht dieselbe Zeit zum Üben.

Fairer wird die Note erst, wenn alle Kinder im Unterricht genug Gelegenheit zum Üben bekommen, mit demselben Material und unter denselben Bedingungen. Dann kann ich bewerten, was in dieser Zeit entstanden ist.

Wer im Unterricht genug Zeit zum Üben bekommt, zeigt in der Note, was er dort gelernt hat.

Üben an der Tafel mit bimbadi.com

Für dieses Üben gibt es jetzt bimbadi.com, eine kostenlose Seite für den Musikunterricht mit Boomwhackern. Die bunten Klangröhren haben für jeden Ton eine eigene Farbe, und die Kinder spielen nach Farben. Die Seite läuft ohne Anmeldung im Browser der digitalen Tafel.

Am praktischsten finde ich die Tafelanzeige. Bei einem Playalong erscheinen die Töne in der Farbe ihrer Röhre, der Liedtext steht darunter, und das Einzählen klingt jedes Mal gleich („bim ba di – 1 2 3 4“). Tempo und Wiederholungen stelle ich vorher ein. Jede Gruppe spielt also zum selben Playalong, und während sie spielt, habe ich beide Hände für den Beobachtungsbogen frei.

Für Begleitstimmen gibt es Ostinati für Boomwhacker und Körper-Grooves mit Klatschen und Stampfen. Mit „An die Tafel“ steht für jede Gruppe ihr Takt groß untereinander, mit Rhythmussprache und einem Zeiger, der mitläuft. Ich muss nichts mehr an die Tafel schreiben, und jede Gruppe weiß, wo sie gerade ist.

Weitere Teile der Seite passen zum Üben:

Vier Kriterien, die du beim Ensemblespiel beobachten kannst

Wenn sechs bis acht Kinder gleichzeitig spielen, schafft man nicht viele Kriterien auf einmal. Vier reichen:

  1. Einsatz: Kommt der Ton an der richtigen Stelle? Man sieht es an der Röhre, bevor man es hört.
  2. Durchhalten: Spielt das Kind nach einem Fehler weiter? Wer nach dem ersten Patzer aussteigt, fehlt der Gruppe mehr als jemand, der einmal danebenliegt.
  3. Zusammenspiel: Achtet das Kind auf die anderen, zum Beispiel bei Pausen oder wenn zwei Töne direkt aufeinander folgen?
  4. Rollenwechsel: Klappt es auch mit einer anderen Röhre oder in der Akkordbegleitung? Dann kennt das Kind das Lied und nicht nur seine eigene Stelle.

Lautstärke und „schön spielen“ fehlen absichtlich. Beides hängt viel vom Selbstbewusstsein ab, und stille Kinder spielen oft sehr genau.

Pro Durchlauf zwei bis drei Kinder beobachten

Alle Kinder einer Klasse in einem Durchlauf zu beobachten, gelingt niemandem. Lass die Klasse in Gruppen zu sechs bis acht Kindern spielen und schau dir pro Durchlauf zwei oder drei davon genauer an. Nach vier Durchläufen hast du jede Gruppe gesehen. Die übrigen Kinder hören zu und bekommen je ein Kriterium, zu dem sie danach eine kurze Rückmeldung geben.

Für die Noten eignet sich die Teambewertung. Sie hat vier Bereiche, die du einzeln gewichten kannst, und gibt am Ende für jedes Kind eine eigene Note und ein Protokoll zum Ausdrucken aus. Die vier Kriterien oben lassen sich direkt eintragen. Wer lieber mit einem Raster arbeitet, baut sie im Bewertungsraster-Generator als Beobachtungsbogen zusammen. Beim ersten Durchgang ist eine schriftliche Rückmeldung ohne Note oft die bessere Wahl.

Wie sich die Frage nach der Note verändert, wenn KI Musik erzeugen kann, habe ich in Musik benoten, wenn KI in 30 Sekunden einen Track erzeugt beschrieben.

Wenn ein Kind keine Röhre halten möchte

Manchen Kindern fällt das gemeinsame Spielen schwer, weil sie unsicher sind oder weil ihnen die vielen Farben und Geräusche zu viel werden. Die Playalongs auf bimbadi starten deshalb in einer ruhigen Darstellung ohne Konfetti und Lichtblitze, und Happy Birthday gibt es zusätzlich in einer reizarmen Fassung mit nur einem Ton nach dem anderen. Ein Kind kann außerdem mit einem Tablet statt einer Röhre mitspielen: Es scannt den QR-Code seiner Farbe und tippt im richtigen Moment auf den Bildschirm. Bewerten kannst du dann dieselben vier Punkte.

Die Kriterien vorher bekannt machen

Die Kinder sollten die vier Kriterien kennen, bevor gespielt wird, am besten als Plakat neben der Tafel mit einem Beispiel zu jedem Punkt. Dann lässt sich eine Drei auch bei einem Lied, das „doch geklappt hat“, mit einem Blick auf das Plakat begründen.

Für eine Stunde ohne Vorbereitung gibt es auf bimbadi einen fertigen Ablauf für Vertretungsstunden. Damit kann auch ein fachfremder Kollege eine Stunde mit Boomwhackern halten.

Ob am Ende eine Note steht oder eine Rückmeldung, entscheidet jede Schule selbst. Ich finde es leichter, eine Note zu begründen, wenn ich weiß, dass jedes Kind vorher dieselbe Zeit zum Üben hatte.

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