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KI & Digitales · · 3 Min. Lesezeit

„Der 4. Lehrer“: Mein Buch über KI im Klassenzimmer, mit Prompt-Vorlagen und sokratischem Bot

Finn hat gemogelt. Abgeschrieben hat er nicht, jedenfalls nicht im klassischen Sinn. Seine Präsentation über Stockholm sah aus, als käme sie aus einer Werbeagentur: perfekte Folien, aber er hatte keine Ahnung, was draufstand. Nach einer einzigen Nachfrage kamen Stottern, Schweigen und der Griff zu den Karteikarten.

So oder so ähnlich läuft es gerade in vielen Klassenzimmern. Manche Kollegen erwischt das kalt. Ich hatte Glück, weil ich mich vorher damit beschäftigt hatte.

„Der 4. Lehrer“ ist mein Buch. Das sage ich gleich, damit niemand denkt, das hier sei eine neutrale Empfehlung. Das Buch ist mein Versuch, aufzuschreiben, was ich in den letzten Jahren im Unterricht ausprobiert, verworfen und behalten habe, mit KI, ohne KI und mit allem dazwischen.

Warum ich noch ein Buch über KI geschrieben habe

Die meisten Bücher zum Thema erklären, was KI ist. Mich interessiert, was sie im Klassenzimmer tut und was sie nicht tut.

Die Grundidee ist KI als vierter Lehrer, neben dem Kind, dem Pädagogen und dem Lernraum. Die Reggio-Pädagogik kennt den Raum als dritten Lehrer. Ich finde diesen Gedanken inzwischen unvollständig, denn da ist noch jemand im Klassenzimmer. Er wird nie müde, hat unendlich Geduld und liefert auf jede Frage eine Antwort, manchmal eine brillante und manchmal kompletten Unsinn.

Anders als ein Lehrer sieht KI nicht, dass Tom heute einen schlechten Tag hat. Sie merkt auch nicht, wenn jemand kurz davor ist aufzugeben. Das kann ich, und das bleibt meine Aufgabe.

Was im Buch steht

Das Buch erzählt Szenen aus dem Unterricht, manche genau so passiert, manche so oder so ähnlich. Es beschreibt, welche Tools ich nutze und welche ich nach zwei Wochen wieder gelöscht habe. Es zeigt, wie man KI so einrichtet, dass sie Schülern beim Denken hilft, statt für sie zu denken, und es enthält Prompt-Vorlagen, die man direkt ausprobieren kann.

Das stärkste Kapitel ist nach meiner eigenen Einschätzung das über den sokratischen Bot: eine KI, die keine Antworten gibt und stattdessen Gegenfragen stellt. Dahinter steckt dieselbe Logik, die ich hier auf notengebung.de weiterdenke. Man bewertet nicht einfach das Ergebnis, man schaut, ob Lernen stattgefunden hat.

Die eigentliche Diagnose passiert im Fachgespräch danach, eine Minute pro Schüler. Wer selbst gearbeitet hat, kann erklären. Wer KI hat schreiben lassen, kann es nicht.

Die Bewertungsfrage bleibt im Buch offen

Das Buch stellt die Frage nach der Bewertung, beantwortet sie aber nicht. Wie benotet man, wenn KI mitschreibt? Wie verändert sich die Prüfungskultur? Dafür reicht ein Buch nicht, und dafür gibt es notengebung.de.

Für wen sich das Buch lohnt

Es lohnt sich für Kollegen, die das Thema bisher umschifft haben, für alle, die schon mittendrin sind, aber unsicher, ob sie es richtig machen, und für alle, die auf Elternabenden oder im Lehrerzimmer darauf angesprochen werden und nicht wissen, was sie sagen sollen.

Das Buch ist kurz, man liest es an einem Nachmittag. Es ist schon die zweite Auflage, auf den Stand von 2026 gebracht, hier und da gekürzt und flüssiger zu lesen. KI hat dabei geholfen. Ich habe versucht, so zu schreiben, wie ich unterrichte: ohne Umwege, ohne Theoriegebäude und mit dem, was wirklich passiert ist.

Malaguzzis drei Pädagogen kennen die meisten aus dem Studium. Der vierte kommt dazu, mit unendlicher Geduld, rund um die Uhr erreichbar, mehrsprachig und in der Lage, für jeden Schüler anders zu erklären. Ersetzen kann er trotzdem niemanden. Die menschliche Beziehung bleibt der stärkste Prädiktor für Lernerfolg, und Noten vergeben darf ohnehin nur der Mensch. Was das im KI-Zeitalter heißt, dazu habe ich auch auf mediendozent.com etwas geschrieben.

Das Buch gibt es auch bei epubli. Wer danach wissen will, wie Bewertung mit KI aussehen kann, liest hier im Blog weiter, zum Beispiel mit KI als vierter Lehrer: Schüler holen sich Feedback von KI, der Lehrer bewertet den Lernweg.

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