Eine Vereinbarung, die Lehrer und Klasse gemeinsam bauen, und ein Gespräch darüber, wie viel davon schon trägt. Ohne Punkte, ohne Noten.
Nach jedem Schwung bleibt die vordere Lage anders stehen: mal neben der hinteren, mal deckungsgleich darüber.
Begriffe und Erklärungen gehören euch: Ändert sie gemeinsam mit der Klasse.
Schüler und Lehrer schätzen getrennt ein. Wo die Blätter unterschiedlich groß werden, lohnt sich das Gespräch.
Der Propeller stammt von Maria Degkwitz, Lateinlehrerin am Landesgymnasium Sankt Afra in Meißen. Für sie sind die sechs Blätter Grundelemente, die gemeinsame Erkenntnislust in Schwung bringen. Von dieser Basis aus vereinbart sie mit ihren Schülern, woran sie arbeiten wollen. Wie ich sie kennengelernt habe, steht im Artikel Kompetenzorientiert bewerten.
Am meisten investiert sie in Vertrauen. Dazu gehört, dass sie sich für das interessiert, was ihre Schüler bewegt und lockt. Kompetenzen haben bei ihr durchaus Platz, als kleinschrittiges Handwerk, das man unterwegs braucht. Ausgangspunkt der Arbeit sind sie nicht.
Wer für eine Klassenarbeit Vokabeln gelernt hat, besitzt Wissen. Zwei Wochen später ist ein guter Teil davon wieder weg. Aristoteles kannte das Problem schon und unterschied zwei Stufen des Wissens.
Auf der ersten Stufe hat man etwas gelernt und trägt es mit sich herum. Sein Beispiel ist die Vogelkunde: Wer sie studiert hat, weiß Bescheid. Vollendet ist dieses Wissen erst auf der zweiten Stufe, im rechten Gebrauch, griechisch chresis. Etwa dann, wenn man im Winter hungernde Vögel so füttert, wie es ihrer Natur entspricht. Wissen, das nie gebraucht wird, bleibt Halbwissen.
Comenius hat daraus fast zweitausend Jahre später drei Stufen gemacht: theoria, praxis, chresis. Für ihn war der Gebrauch die Krone des Lernens.
Kompetenzraster halten fest, was ein Schüler kann. Das ist nach Aristoteles eine Möglichkeit. Ob er sein Können gebraucht, mit Maß und zum Nutzen anderer, steht in keinem Raster. Der Erziehungswissenschaftler Klaus Schaller wirft der Kompetenzpädagogik in seinem Aufsatz „Zauberformel »Kompetenz«“ (2009) dasselbe vor: Sie habe vom antiken Erbe nur übernommen, was sich messen lässt.
Der Propeller zählt deshalb nichts. Sie fragt in der Einschätzung, ob etwas schon trägt und ob es weitergegeben wird. Und sie liefert Fragen, mit denen das Gespräch beim Gebrauch landet: Wo hast du das zuletzt eingesetzt? Wem hast du damit geholfen?
Maria Degkwitz versteht das Modell als Propeller, der die Erkenntnislust in Schwung bringt, und ausdrücklich nicht als starre Blume. Er hat zwei Lagen mit je drei Blättern. Vorne liegen Vertrauen, Freiheit und Kooperation, dahinter Kenntnis, Partizipation und die Spielwiese.
Die Spielwiese braucht eine Erklärung. Gemeint ist ein undefiniertes Arbeitsfeld, das bewusst nicht genauer abgesteckt und strukturiert wird. Viele Schüler brauchen diese Offenheit. Es trägt aber nur, wenn Vertrauen da ist, sonst läuft es ins Leere.
Faire Noten im KI-Zeitalter: Artikel, kostenlose Tools und Materialien für Lehrer aller Fächer.
© notengebung.de · Ohne Cookies, ohne Tracking. Dieses Tool läuft komplett in deinem Browser.